The European Democracy Lab – Europas Zukunft

The European Democracy Lab – Europas Zukunft

Wie könnte die Zukunft Europas aussehen? In den kommenden Wochen und Monaten werden wir mit verschiedenen Expertinnen und Experten Interviews zu diesem Thema führen. Den Anfang dieser Serie macht das European Democracy Lab, sie machen sich für die Idee einer europäische Republik stark. Wie diese aussehen und funktionieren soll, sowie weitere Einschätzungen zu Europas Zukunft erfahrt ihr in dieser Folge. Viel Spass bim Hören!

Weitere Informationen:

Die angesprochene Karte: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Europe_as_a_queen_map.JPG

Das Buch: Warum Europa eine Republik werden muss!“ von Ulrike Guérot: http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/233300/warum-europa-eine-republik-werden-muss

Weitere Informationen zum „The European Democracy Lab“: http://www.european-republic.eu/

Newsletter des European Democracy Lab: http://www.european-republic.eu/de/newsletter.html

Äußerungen unserer GesprächspartnerInnen geben deren eigene Auffassungen wieder. „ISPM fragt nach“ macht sich deren Äußerungen ausdrücklich nicht zu eigen.

One thought on “The European Democracy Lab – Europas Zukunft

  1. Wilhelm Unrau

    Interview mit Vertreterinnen und Vertretern des European Democracy Lab, Berlin und Ulrike Guérot
    Wie kann die Republik Europa aussehen?
    Meine Fragen an das Lab:
    Ein Europa der Regionen mit einem direkt gewählten Parlament und einem Senat als zweiter Kammer, das die Regionen repräsentiert, fängt die zentrifugalen Kräfte auf. Separatismus ist damit überwunden, ja, nicht mehr möglich, denn keine Region kann aus Europa austreten, da sie Teil Europas ist.
    Stimmt – und stimmt doch nicht. Bayern z.B, hat ein Problem mit der Bundesrepublik wegen des Länderfinanzausgleichs. Es meint, es zahle zuviel und die anderen ruhten sich auf dem in Bayern erarbeiteten Geld aus.
    Zwar geht es in diesen Diskussionen viel um Identität, aber letztlich geht es dann doch ums Geld. Warum soll das in einem Europa der Regionen anders sein? Wäre da der Konflikt um das Geld, das eine Region zur Stützung einer anderen zahlt, nicht noch viel größer? Wenn die Bayern schon nicht für die Nordrhein Westfalen zahlen wollen, warum sollen sie dann für Kalabrien zahlen, eine Region, von der sie überhaupt keine Vorstellung haben?
    Und: wenn man aus Europa nicht austreten kann, ist damit dann nicht gerade die nicht gewollte Möglichkeit der hegemonialen Repression gegeben? Besteht nicht die Gefahr, dass sich das Europa, aus dem ich nicht austreten kann, gerade deshalb in eine Zwangsgemeinschaft verwandeln kann?
    Und dann ist das noch die res publica, die Gleichheit vor dem Recht. Klar wären in einer Republik Europa zwangsläufig alle gleich vor dem Recht. Alle hätten das gleiche Wahlrecht.
    Aber geht es denn in jetzigen Situation in Europa darum überhaupt? Oder geht es nicht auch in dieser Frage viel mehr um das Geld?
    Der hart arbeitende Bayer, der abends in Ruhe sein Bier trinken und seine Euros zählen will, warum soll der in eine Versicherung einzahlen wollen, die die Arbeitslosigkeit eines Spaniers oder Griechen absichert? Ich behaupte mal, dass der Bayer sich das zur Zeit und so wie die Dinge sind, nicht, ganz und gar nicht vorstellen kann. Er kann sich Bayern vorstellen und vielleicht noch Deutschland, was aber hat er mit irgendeinem Dorf in Griechenland zu tun, in einer Gegend, die er nicht kennt, und in der eine Sprache gesprochen wird, die er nicht versteht. Nichts verbindet ihn mit diesem Dorf. Jedenfalls sieht er das so.
    Mir scheint, es fehlen noch einige Elemente, um das Europa der Regionen vorstellbar zu machen. Und ich glaube, nur wenn man es sich vorstellen kann, kann man es sich auch wünschen. Darin sehe ich das Problem der Stärke und der Schwäche der Nationalstaaten gleichzeitig: Die Nationalstaaten beziehen ihre Stärke daraus, dass das noch immer die größte Gemeinschaft ist, die die Menschen sich vorstellen können. Die Auflösung dieser Gemeinschaft in einem Europa der Regionen macht Angst, jedenfalls immer noch den meisten. Das Gegengewicht der Erasmus Generation reicht da sicherlich (noch) nicht. Der gemeinsame Markt Europas hat zu keiner Vorstellung eines gemeinsamen Europas bei den Menschen geführt, allenfalls abstrakt oder negativ. Und die gemeinsame Währung hat Europa eher gespalten, auch wegen der schwarzen Null.
    Mir scheint, es fehlen noch einige Elemente, um das Europa der Regionen vorstellbar zu machen. Und ich glaube, nur wenn man es sich vorstellen kann, kann es sich auch wünschen. Darin sehe ich das Problem der Stärke und der Schwäche der Nationalstaaten gleichzeitig: Die Nationalstaaten beziehen ihre Stärke daraus, dass das noch immer die größte Gemeinschaft ist, die die Menschen sich vorstellen können. Die Auflösung dieser Gemeinschaft in einem Europa der Regionen macht Angst, jedenfalls immer noch den meisten. Das Gegengewicht der Erasmus Generation reicht da sicherlich (noch) nicht. Der gemeinsame Markt Europas hat zu keiner Vorstellung eines gemeinsamen Europas bei den Menschen geführt, allenfalls abstrakt oder negativ. Und die gemeinsame Währung hat Europa eher gespalten, auch wegen der schwarzen Null.
    Es kam alles nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte. Warum soll es mit dieser Utopie (die ich persönlich glühend teile) warum soll es mit ihr anders laufen. Wer gibt dem Menschen, dem einfachen Menschen, wie er immer noch in großer Zahl in ganz Europa anzutreffen ist und von dem ich glaube, dass er sich im Grundsatz mit dem Gedanken der Republik Europa wohl anfreunden könnte, wer gibt dem Menschen einen belastbaren Grund, zu glauben, dass es diesmal anders und besser für ihn laufen könnte – und das wenige, das er hat, dafür aufs Spiel zu setzen. Und darin liegt ja letztlich die Stärke der Nationalisten und des völkischen Denkens. Der simple Grundgedanke, der zum Brexit führte, lautete: wenn wir nicht mehr zahlen müssen, haben wir mehr für uns selbst. Und angesichts der Tatsache, dass den Menschen in den letzten 30 Jahren eher genommen wurde, war das ein zündender Gedanke. Und genau dieser Gedanke zündet zur Zeit in ganz Europa. Was also kann man dem entgegensetzen? Die Vorstellung der res publica reicht da allein nicht. Es geht auch um Ökonomie und es geht auch um Geld, und die Republik Europa wird deutlich machen müssen, dass sie zu diesem Thema überzeugendes beitragen kann.
    Das wären für mich zunächst die entscheidenden Fragen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.